Close

Wissenswertes und Gedanken zum Tierschutzhund

Sie haben sich für einen Hund aus dem Tierschutz entschieden?

Das ist ganz ehrenwert und wunderbar, vor allem für diesen Hund…denken Sie.

 

Ein Hund aus dem Tierschutz ist anders, anders als ein Hund, der geboren wurde, um als Rassehund aus Deutschland (legal oder illegal) verkauft zu werden.

 

Ein Hund aus dem Tierschutz wurde auf den Straßen Rumäniens ungewollt geboren, hatte wahrscheinlich nie einen Besitzer und falls doch, bedeutet es nicht, dass er in einem Haus mit Menschen und Familienanschluss leben durfte. Oftmals werden Hunde an der kurzen Kette zur Bewachung eines Hauses oder Grundstücks gehalten und fristen dort ein elendiges Leben.

 

Die ethische und moralische Grundeinstellung Tieren gegenüber ist in vielen Ländern und auch in Rumänien nicht vergleichbar mit unserer. In diesen Ländern werden Tiere oftmals als Nutztiere gehalten. Wenn sie nicht mehr ihren Zweck erfüllen, werden sie wie Müll entsorgt. Diese Hunde werden häufig großen menschlichen Grausamkeiten ausgesetzt, die für uns unvorstellbar sind.

 

In dem Shelter in Campulung leben z.Zt. über 600 Hunde. Von einigen dieser Hunde kennen wir die Vorgeschichte, die meisten jedoch wurden entweder von der Straße aufgesammelt oder sie wurden im Tierheim geboren.

Wenn Sie sich für einen Tierschutzhund entschieden haben, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass dieser Hund eine Geschichte mit sich bringt, die wahrscheinlich auch uns unbekannt ist. Hunde, die wir in die Vermittlung aufnehmen, kennen wir zwar persönlich in der Situation im Tierheim vor Ort. Dies sagt aber nichts über ihr eventuelles Verhalten aus, wenn sie in Deutschland angekommen sind und vor allen Dingen nichts darüber, wie sie sich bei Ihnen entwickeln werden. Ihren wirklichen Charakter entfalten die Hunde auch erst, wenn sie in ihrem neuen Leben bei Ihnen zu Hause angekommen sind.

Seien Sie geduldig- das kann manchmal Wochen bis Monate dauern.

Wir versuchen, Tendenzen zu geben, wie sich der Hund verhält und welche Rassen optisch vorrangig zu erkennen sind. Sollten Sie einen Hund aus Rumänien adoptieren, müssen Sie wissen, dass irgendwo und irgendwann ein Schäferhund oder Herdenschutzhund mitgemischt sein kann. Dies trifft sicherlich nicht auf alle Hunde zu, dennoch sollte man sich bewusst sein, dass Herdenschutzhunde in Rumänien häufig vertreten sind. Mehr zum Thema Herdenschutzhunde finden Sie hier: Herdenschutzhund

Eine genaue Bestimmung der Rassen, die in einem Hund vorhanden sind, ist in Rumänien nicht möglich. Dies kann bei Interesse auf eigene Kosten in Deutschland bei Ihrem Tierarzt nachgeholt werden.

Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass Sie eine extra Portion Geduld, Zeit, Verständnis, Liebe und Empathie zum Leben mit diesem Hund mitbringen sollten und dass dieser Hund mehr Arbeit bereiten kann als ein gut sozialisierter Hund.

Erwarten Sie am Anfang nicht zu viel von Ihrem Hund, er muss zuallererst einmal Vertrauen zu Ihnen lernen. Es ist eine Grundvoraussetzung, dass eine gute, für den Hund positive Eingewöhnungszeit gewährt wird. Viele von ihnen bringen Narben auf der Seele mit- manche Narben verblassen schnell und gut, es kann aber auch immer wieder zu Rückschritten kommen, die Sie nicht entmutigen sollten. Manche Narben bleiben für immer, und auch das sollte Ihnen bewusst sein, wenn Sie sich für einen Tierschutzhund entscheiden. Aus Mitleid sollte man keinen Straßenhund aufnehmen – es ist wichtig, dass der Hund ins eigene Leben passt.

Es sind wunderbare Seelen, die es verdient haben, gerettet und geliebt zu werden. Vergessen Sie nicht, dass Sie auch Tierschutz betreiben, wenn Sie einen Hund aus dem Ausland adoptieren.

Viele der Hunde haben bisher noch nie in einem Haus gelebt, sie kennen keine Haustür, Türschwelle, keine Treppen, Spiegel, keine lauten Geräusche (Staubsauger, Fön, Küchenmaschine, Fernseher etc.).

Lassen Sie den Hund zunächst in Ruhe in Ihrem Zuhause ankommen und es erkunden, damit er sich zurechtfindet. Bieten sie ihm einen Ort zum Rückzug, bisher kannte er ggf. nur seine kleine Hundehütte als Rückzugsort. Falls Sie einen sicher umzäunten Garten haben, in dem Sie den Hund mit der Schleppleine gesichert überall sehen können, lassen Sie die Tür zum Garten geöffnet, damit er auch in Ruhe diesen erkunden kann.

 

Selbstverständlich ist der Hund nicht stubenrein-das hat er nie gelernt. Auch wenn uns das Lernen der Stubenreinheit viel Verständnis abverlangt, so schimpfen sie bitte niemals mit dem Hund, wenn im Haus ein Missgeschick passiert ist. Nur wenn Sie ihn direkt und auf frischer Tat ertappen, hat es Sinn, ihn sofort nach draußen zu führen und ihm zu zeigen, wo er sein Geschäft erledigen soll.

 

Mit Kindern ist der Hund wahrscheinlich noch nie in Kontakt gekommen. Dies ist eine besondere Herausforderung für die gesamte Familie, die im Vorfeld mit allen Familienmitgliedern ausführlich besprochen werden muss. Erklären Sie, dass das neue Familienmitglied es nicht toll finden wird, wenn die Kinder freudig auf ihn zurennen, in seinem Fell zupfen, an den Ohren ziehen oder ähnliches. Vor solchen Reaktionen muss der Hund geschützt werden. Er kann Angst bekommen vor schreienden, auf ihn zupolternden kleinen Menschen, und als Reaktion oder aus Unsicherheit könnte er zubeißen.

 

Bitte laden Sie -auch wenn sich alle Freunde und Familienmitglieder mit Ihnen freuen- zunächst keinen Besuch zu sich ein, dies kann zu einem erhöhten Stresspegel bei allen Beteiligten, insbesondere Ihrem Hund führen.

 

Der Hund ist niemals an der Leine gelaufen! In Rumänien gibt es keine Hunde, mit denen man Gassi geht.

NIEMALS darf ein Hund ohne Sicherheitsgeschirr und doppelter Leinensicherung (an Halsband UND Sicherheitsgeschirr) in den ersten Monaten das Haus verlassen.

Das Anlegen des Sicherheitsgeschirres kann ihn anfangs schon in Panik versetzen, loben und belohnen Sie ihren Vierbeiner immer, damit er das Anlegen positiv verknüpfen kann.

 

Sie sollten Bedenken, dass ALLE Umweltreize neu sind für ihren Vierbeiner.

Evtl. hat Ihr Hund noch nie ein Auto, LKW, Trecker, Müllfahrzeug, Flugzeug, Motorrad, Fahrrad, Jogger, Roller, Kinderwagen, Pferd, Kühe etc. gesehen, geschweige denn gehört. All das kann ihn in Panik und Angst versetzen und es kann passieren, dass der Hund versucht, zu fliehen um der neuen Situation zu entkommen.

Deswegen ist es wichtig, dass Sicherheitsgeschirr und Halsband fest angelegt, der Hund mit zwei Leinen gesichert ist und Sie und ihr Hund sich in allen neuen Situationen sicher fühlen können.

 

Lassen Sie anfangs Ihren Hund nur in Ihren Garten und machen Sie-wenn überhaupt- nur sehr kurze, möglichst ruhige Spaziergänge auf immer der gleichen Wegstrecke.

 

Bitte üben Sie nur langsam das Alleinebleiben und lassen Sie ihn anfangs möglichst wenig unbeobachtet / allein. Ihr Hund hat bisher eventuell in einem großen Rudel oder mit seinen Geschwistern gelebt und war evtl. noch nie allein. Dies kann zu maximalem Stress und Angst führen.

 

Das Aufeinandertreffen mit anderen Hunden stellt anfangs für Ihren gesicherten Hund möglicherweise eine Überforderung dar. Auch wenn er das Rudelleben bisher gewöhnt war, heißt das nicht, dass Ihr Hund erfreut und schwanzwedelnd auf seine Kollegen zuläuft, und ggf. kann er aus Unsicherheit oder Angst aggressiv reagieren.

 

Wir empfehlen Ihnen, sich bei eigener Unsicherheit oder Überforderung an einen mit Tierschutzhunden erfahrenen Hundetrainer zu wenden, der Sie von Anfang an sicher begleitet und unterstützend zur Seite steht.

 

Unser Team hat in den letzten Jahren mitgeholfen, vielen Hunden aus Campulung über Tierheime oder Vermittlungsvereine ein passendes Zuhause zu vermitteln.

 

Wir unterstützen Sie gerne bei der Auswahl eines für Sie passenden Hundes.